Das Jahr 2025 hat der Uhrmacherei einige bemerkenswerte Neuheiten beschert. Die Watches and Wonders in Genf setzte wie gewohnt die Maßstäbe – doch auch abseits der großen Bühne gab es Zeitmesser, die Beachtung verdienen. Eine Auswahl dessen, was meine Aufmerksamkeit gefunden hat.
Vorab sei gesagt: Diese Zusammenstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie spiegelt meinen persönlichen Blick auf das Geschehen wider – gefiltert durch die Brille eines Gentleman, der Zurückhaltung über Spektakel stellt.
Die Überraschung des Jahres
Cartier Tank Normale
Ca. 23.000 €Handaufzug · 35.1mm x 24.4mm · Limitiert auf 1917 Exemplare
Cartier hat sich auf seine Wurzeln besonnen. Die Tank Normale ist die Rückkehr zur Ur-Tank von 1917 – in den exakten Proportionen des Originals, gefertigt in Platin, limitiert auf die Jahreszahl der Geburt. Ein Zeitmesser von solcher Eleganz, dass er jeden modernen Trend obsolet erscheinen lässt. Louis Cartier hätte seine Freude daran.
Aus Genf: Die Klassiker neu interpretiert
Patek Philippe Calatrava 5227R-012
Ca. 40.000 €Automatik · 39mm · Neues Zifferblatt in „Opalinblau"
Die Calatrava bleibt die Calatrava – und genau das ist das Bemerkenswerte. Patek Philippe hat lediglich ein neues Zifferblatt eingeführt: Ein tiefes Opalinblau, das je nach Licht zwischen Grau und Blau changiert. Keine Revolution, sondern Evolution. So sollte es sein.
Vacheron Constantin Historiques 222
Ca. 38.000 €Automatik · 37mm · Neuauflage des Originals von 1977
Nach der limitierten Wiederauflage von 2022 ist die 222 nun als reguläres Modell zurück – in der originalen Größe von 37mm. Ein Zeichen, dass die Industrie verstanden hat: Nicht jede Uhr muss 42mm messen. Die 222 ist der Beweis, dass ein klassisches Design zeitlos bleibt.
Aus Glashütte: Deutsche Präzision
A. Lange & Söhne Lange 1 „25 Jahre"
Ca. 55.000 €Handaufzug · 38.5mm · Jubiläumsedition
Ein Vierteljahrhundert Lange 1 – das muss gefeiert werden. Die Jubiläumsedition kommt in Weißgold mit einem Zifferblatt in „Blaugrau", einer Farbe, die Lange so nur für dieses Modell entwickelt hat. Das Großdatum, das dezentrale Zifferblatt, die Gangreserveanzeige: Alles ist geblieben, wie es sein sollte.
Nomos Metro Neomatik Nachtblau
Ca. 3.900 €Automatik · 37mm · Neues Farbkonzept
Nomos zeigt, dass Glashütte nicht nur Tradition, sondern auch Moderne kann. Die Metro in Nachtblau ist ein Zeitmesser für den urbanen Gentleman – das Zifferblatt changiert zwischen tiefem Blau und Schwarz, die Superluminova-Indizes leuchten dezent. Eine Uhr, die tagsüber funktioniert und nachts Charakter zeigt.
Aus Japan: Die stille Revolution
Grand Seiko SLGH021 „White Birch"
Ca. 9.500 €Hi-Beat Automatik · 40mm · Weißbirkenmuster
Grand Seiko erweitert die „White Birch"-Serie um ein neues Modell mit hellerem Zifferblatt. Das Muster, inspiriert von den Birken in Shizukuishi, wo die Uhren gefertigt werden, ist von bestechender Subtilität. In der Sonne offenbart es seine Struktur, im Schatten wirkt es fast einfarbig. Japanische Poesie am Handgelenk.
Die Underdogs: Beachtung verdient
Longines Spirit Zulu Time
Ca. 2.750 €Automatik GMT · 42mm · Manufacture-Kaliber
Eine GMT-Uhr mit Manufacture-Werk für unter 3.000 Euro – Longines setzt ein Zeichen. Die Spirit-Linie zitiert die Fliegeruhren-Vergangenheit des Hauses, ohne nostalgisch zu werden. Für den reisenden Gentleman eine ernsthafte Alternative zu den üblichen Verdächtigen.
Junghans Max Bill Kleine Sekunde
Ca. 1.195 €Handaufzug · 34mm · Limitierte Farbedition
Junghans hat dem Bauhaus-Klassiker neue Zifferblattfarben verliehen – darunter ein sanftes Salbeigrün, das überraschend gut zum minimalistischen Design passt. Die kleine Sekunde bei 6 Uhr unterbricht die Symmetrie auf angenehmste Weise. Design, das auch nach 60 Jahren noch funktioniert.
Ein Trend, der keiner sein sollte
Was mich 2025 gestört hat: Die inflationäre Verwendung von „Heritage" und „Vintage" im Marketing. Nicht jede Neuauflage verdient diese Worte. Wahres Erbe zeigt sich nicht im Namen, sondern in der Substanz. Die besten Neuheiten dieses Jahres waren jene, die ihre Herkunft nicht lauthals verkünden mussten – sondern still demonstrierten.
„Das Neue ist selten besser als das Alte. Aber manchmal ist das Neue eine würdige Fortführung dessen, was schon immer richtig war."